Reifentragfähigkeit und Luftdruck nach Achslast

Prüfe Vorder- und Hinterachse getrennt: tatsächliche Achslast, nötige Tragfähigkeit je Reifen, Mindest-Load-Index und Reserve.

Am besten von einer geeichten Waage — ersatzweise aus dem Rechner Achslastverteilung & Beladeplan.
Am besten von einer geeichten Waage.
Bei den meisten Wohnmobilen bis 3,5 t Einzelbereifung.
Steht auf der Reifenflanke. Bei Doppelkennzeichnung gilt die erste Zahl für Einzel-, die zweite für Zwillingsbereifung.
Bei Doppelkennzeichnung gilt die zweite Zahl bei Zwillingsbereifung.
Tragfähigkeits-Reserve Hinterachse (je Reifen)60 kg
Tragfähigkeits-Reserve Vorderachse (je Reifen)165 kg
Reserve Hinterachse6,2 %
Reserve Vorderachse19,1 %
Mindest-Load-Index Hinterachse107
Mindest-Load-Index Vorderachse103
  • Dieser Rechner berechnet nur die Tragfähigkeit, keinen Fülldruck — dafür gibt es keine allgemeine Formel. Den passenden Druck für deine konkrete Reifengröße und Achse findest du in der Drucktabelle deines Reifenherstellers.
  • Wohnmobil-Hinterachsen mit CP-Reifen brauchen oft einen höheren Fülldruck als die Vorderachse — und dafür vorgeschriebene Metallventile.
  • Der Load-Index gilt bei 2,5 bar stimmt nur für normale Pkw-Reifen — bei C-/CP-Reifen am Wohnmobil ist dieser Wert falsch.
  • Bei Doppelkennzeichnung auf der Reifenflanke gilt die erste Zahl für Einzel-, die zweite für Zwillingsbereifung.

Der Rechner prüft, ob der vorhandene Load-Index deiner Reifen zur tatsächlichen Vorder- und Hinterachslast passt. Er berechnet dafür die nötige Tragfähigkeit je Reifen, den Mindest-Load-Index und die Reserve getrennt je Achse. Den passenden Luftdruck gibt er bewusst nicht als Formelwert aus: Bei C- und CP-Reifen hängt der Druck von Reifengröße, Achse und Herstellertabelle ab.

Was der Rechner berechnet

Die Grundlage ist die tatsächliche Achslast. Am belastbarsten ist ein achsweiser Wiegeschein; ersatzweise liefert der Achslastverteilungs-Rechner eine Planungsrechnung. Aus der Achslast wird die nötige Tragfähigkeit je Reifen:

Vorderachse: Achslast vorne / 2
Hinterachse mit Einzelbereifung: Achslast hinten / 2
Hinterachse mit Zwillingsbereifung: Achslast hinten / 4

Danach sucht der Rechner in der Load-Index-Tabelle den kleinsten LI, der diese Last mindestens trägt. Der vorhandene LI auf der Reifenflanke wird dagegengehalten. Ist die Reserve negativ, reicht der eingetragene Reifen rechnerisch nicht aus.

Eingaben aus Waage und Reifenflanke

Die tatsächlichen Achslasten vorne und hinten gehören getrennt in den Rechner. Genau diese Trennung ist der Nutzen gegenüber einer pauschalen Gesamtgewichtsprüfung: Wohnmobile sind häufig an der Hinterachse knapper, weil Heckgarage, Wassertank und Fahrradträger weit hinten sitzen.

Den Load-Index findest du auf der Reifenflanke, zum Beispiel als 109 in 215/70 R15 CP 109Q. Bei einer Doppelkennzeichnung wie 118/116 gilt die erste Zahl für Einzelbereifung und die zweite für Zwillingsbereifung. Für die Hinterachse fragt der Rechner deshalb zusätzlich, ob Einzel- oder Zwillingsbereifung montiert ist.

Warum kein Mindestdruck als Rechenergebnis erscheint

Der Load-Index ist eine genormte Tragfähigkeitskennzahl; die Druckzuordnung ist es in dieser einfachen Form nicht. Die LI-zu-kg-Werte stammen aus den ECE-R-30/54- und ETRTO-Lastindex-Tabellen; im relevanten Bereich wurden sie an 22 Stellen gegen ein Michelin-Datenblatt gegengeprüft. Für den Luftdruck gibt es dagegen keine allgemeine, reifengrößenunabhängige Formel.

Deshalb steht hier keine Faustregel wie “0,1 bar mehr = ein LI-Punkt”. Die Spezifikation verwirft diese Regel ausdrücklich, weil sie am Michelin-Datenblatt nicht hält. Der richtige Druck muss aus der Tabelle deines Reifenherstellers kommen, passend zu Reifengröße, Achslast, Achsposition und Reifenklasse.

CP-Reifen: hinten nicht wie vorne behandeln

Bei CP-Reifen können Hersteller für Vorder- und Hinterachse unterschiedliche Druck-/Lastfreigaben vorgeben. Die vorliegenden Referenzdaten leiten aus dokumentierten Michelin- und Continental-Tabellen einen Faktor von rund 0,889 für die Hinterachse ab; der aktuelle Research-Stand bestätigt diese Detailtabellen aber nur teilweise als frei zugänglichen Primärtext. Praktisch heißt das: Ein CP-Reifen, der vorne seine Nennlast bei einem bestimmten Druck erreicht, darf hinten nicht ohne Herstellerfreigabe gleich behandelt werden.

Für Michelin Agilis Camping ist als allgemeiner Herstellerhinweis 5,5 bar an der Wohnmobil-Hinterachse mit Metallventilen bestätigt; die 4,75-bar-Vorderachsangabe aus den Referenzdaten bleibt ein tabellenbezogenes Herstellerbeispiel. Das ist kein allgemein berechneter Mindestdruck für jedes Fahrzeug. Maßgeblich bleibt die aktuelle Freigabe- oder Drucktabelle des Reifen- oder Fahrzeugherstellers für die konkrete Dimension.

Die FAQ Warum brauchen Achsen unterschiedlichen Luftdruck? fasst die Vorder-/Hinterachs-Trennung als kurze Praxisantwort zusammen.

Ergebnis richtig lesen

Wichtig sind die beiden Reserven: Vorderachse je Reifen und Hinterachse je Reifen. Eine positive Reserve heißt nur, dass der eingetragene Load-Index die eingegebene Last in der Tabelle abdeckt. Sie ersetzt nicht die Drucktabelle, nicht den Reifenfreigabeschein und nicht die Prüfung von Alter, Zustand, Geschwindigkeitsindex oder Felgentraglast.

Eine negative Reserve ist ein Stoppsignal für die Planung. Dann ist der Reifen nach dieser Tabelle zu schwach für die eingegebene Achslast. Vor einer Weiterfahrt oder Auflastungsentscheidung gehört das in eine Fachwerkstatt beziehungsweise zur technischen Prüfstelle.

Quellenstand und Grenze der Seite

§ 36 StVZO ist der deutsche Rechtsrahmen: Reifen müssen zu Belastung und bauartbestimmter Höchstgeschwindigkeit passen; Tragfähigkeit und Geschwindigkeitskategorie sind Herstellerkennzeichnungen. Konkrete Luftdruckwerte liefert nicht die StVZO, sondern die Freigabe- oder Drucktabelle des Reifen- oder Fahrzeugherstellers. Die Load-Index-Werte stammen aus der ETRTO-/ECE-R-30/54-Tabelle, gegengeprüft an einem Michelin-Datenblatt. Stand: 20.08.2026.

Die nächste Kettenstufe ist die Frage, ob Achsen, Reifen und weitere technische Grenzen eine Auflastung samt passender Führerscheinklasse überhaupt tragen.

Quellen

  • Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO), § 36 Bereifung und Laufflächen

    Bundesministerium der Justiz / jurisNormAbruf: 28.08.2026

  • ECE-Regelung Nr. 54, Luftreifen für Nutzfahrzeuge und ihre Anhänger

    Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE)NormECE-Regelung Nr. 54, Load-Index- und Tragfähigkeitskennzeichnung für NutzfahrzeugreifenAbruf: 28.08.2026

  • UN-Regelung Nr. 30 — Reifen für Kraftfahrzeuge und ihre Anhänger, Anhang 4 (Tragfähigkeitskennzahlen)

    UNECENormTabelliert die Zuordnung Tragfähigkeitskennzahl (LI) → zulässige Tragfähigkeit in kg, die als LOAD_INDEX_TABLE hinterlegt ist. Ohne URL, weil unece.org automatisierte Abrufe mit HTTP 403 abweist; die Werte wurden laut Codekommentar 22-fach gegen ein Michelin-Herstellerdatenblatt gegengeprüft.Abruf: 29.08.2026

  • Fehlende Kennzahl LI 88

    CamperToolsAnnahmeLI 88 fehlt in der verwendeten Quelltabelle. Der Rechner bildet ihn konservativ auf den nächstniedrigeren belegten Wert ab — das unterschätzt die Tragfähigkeit eher, als sie zu überschätzen, und liegt damit auf der sicheren Seite.Abruf: 29.08.2026

  • Kein Mindestfülldruck

    CamperToolsAnnahmeDer Rechner bewertet ausschließlich die Tragfähigkeitsseite. Welcher Fülldruck für eine bestimmte Achslast nötig ist, steht in den Druck-Last-Tabellen des jeweiligen Reifenherstellers und ist nicht allgemein ableitbar.Abruf: 29.08.2026

Häufige Fragen

Warum brauchen Achsen unterschiedlichen Luftdruck?

Achsen brauchen unterschiedlichen Luftdruck, weil Vorder- und Hinterachse verschieden belastet sind und CP-Reifen an der Hinterachse bei gleichem Druck anders bewertet werden.

Bei Wohnmobilen liegt oft mehr Last hinten: Heckgarage, Wassertank, Fahrradträger und längerer Überhang verschieben die tatsächliche Achslast zur Hinterachse. Deshalb reicht ein einheitlicher Druckwert für “das Fahrzeug” nicht aus. Entscheidend ist die Last, die pro Reifen auf der jeweiligen Achse ankommt.

Bei CP-Reifen kommt eine zweite Besonderheit dazu. Hersteller können Vorder- und Hinterachse unterschiedlich freigeben; die im Referenzdatenbestand ausgewerteten Michelin- und Continental-Tabellen stützen dafür einen Hinterachs-Faktor von rund 0,889, sind aktuell aber nur teilweise als frei zugänglicher Primärtext verifizierbar. Das erklärt, warum Hersteller für die Hinterachse teils höhere Drücke nennen, obwohl vorne und hinten dieselbe Reifengröße montiert ist.

Der Rechner für Reifentragfähigkeit und Luftdruck prüft deshalb Vorder- und Hinterachse getrennt. Er zeigt die nötige Tragfähigkeit je Reifen und den Mindest-Load-Index, ersetzt aber keine konkrete Drucktabelle des Reifenherstellers.

Für die Praxis heißt das: erst achsweise wiegen oder sauber planen, dann die passende Hersteller-Drucktabelle zur Reifengröße und Achsposition prüfen. Ein pauschaler Druckwert aus Foren oder von einem anderen Fahrzeug ist dafür zu ungenau. Stand: 20.08.2026.